26. April 2017 - CEI3* Babenhausen (GER)- sieg

Bereits früh beschloss ich mit Veronika Münger gemeinsam in Babenhausen den CEI*** zureiten, für Partiba und mich war das der zweite Versuch über 160km. Gemeldet waren neben Veronika Münger mit Ups du Cavallon und uns nur zwei weitere Schweizer: Nina Good mit Mylene du Cavallon und Angela Kunz mit Mahatma A’Diamonds.

Mit gefühlten 100 Decken, 50 Eimer, 20 verschiedenen Futtermittel und dem Pferd machten wir uns am Mittwoch um 3 Uhr in der Früh auf den Weg nach Babenhausen. Der erste Schock kam in Zürich, die Autobahn war Schneebedeckt. Naja Winterreifen hatten wir noch montiert also immer schön vorsichtig weiterfahren, war unsere Devise. Dummer weise meinte ich noch als Witz zu Tabea: “Stell dir vor, wenn die Boxen noch nicht stehen, dann muss Tiba im Schnee schlafen!“. Hätte ich doch nichts gesagt, um 8 Uhr trafen wir in Babenhausen ein und die Zeltboxen lagen in Einzelteilen vor uns. Nach kurzem Telefonat erfuhren wir, dass die Zelte um 10 Uhr aufgebaut werden... es wurde 20 Uhr bis wir in die Boxen konnten. Den Tag verbrachten wir mit warten, spazieren gehen als Aufwärmung, warten und frieren. Zum Glück konnten wir am Abend immerhin in eine tolle Mietwohnung mit Heizung und warmer Dusche.

Der Donnerstag verbrachten wir mit umpacken, plaudern und einem Ausritt mit Veronika Münger und Nina Good. Nun machte sich erstmals bemerkbar, dass sich Partiba beim gemeinsamen Abschlusstraining in der Vorwoche in Vroni’s Stute Ups verliebt hatte. Gegenseitiges zu wiehern ist ja schön und gut aber nicht, dass was man sich für einen Renntag wünscht. 

Am Tag vor dem großen Start sind wir normalerweise voller Vorfreude, doch dieses Mal plagten mich jegliche Ängste, die ich mir vorstellen konnte. Ganz nervös wurde das Pferd für die Vorkontrolle geputzt, gezöpfelt und anschließend dem Tierarzt vorgestellt. Partiba präsentierte sich vorbildlich, abgesehen von den Bocksprüngen beim Vortraben. Das obligatorische Wägen das Reitergewicht mit Sattel brachte mich zur Erkenntnis, dass ich wieder Abspecken darf.

Lea, Jil, Tabea und Partiba waren super gelaunt und ich hatte umso nähre das Breefing kam umso mehr Angst. Der letzte Versuch in Madine FRA über 160km zu starten ist doch nicht ganz spurlos an mir vorbei, Gedanke wie: „Habe ich Partiba wirklich genug trainiert, was machen wir wenn das Tempo nicht passt, alleine reiten über 160km .. schlecht Idee!“, plagten mich die ganze Zeit. Gegenüber Tabea probierte ich meine Zweifel zu verstecken nur das mir wirklich übel war gab ich zu bedenken.

Um 21:00 Uhr machten wir den letzten Kontrollblick in die Box von Tiba und ob alles für den nächsten Tag bereitsteht.

Um 4:00 standen wir auf packten die letzten Sache und füllten die letzten Kanister mit warmen Wasser, ja richtig gelesen es muss warm sein, denn Partiba trinkt bei dieser Kälte kein kaltes Wasser...verwöhnte Prinzessin!

Um 5:15 nahm ich Partiba aus der Box und wir liefen uns mit den Anderen warm. Meine tollen Grooms trafen derzeit die letzten Vorbereitungen auf dem Pausen- und Groomplatz.

Es war eine tolle lockere Atmosphäre und wir starteten in ruhigem Tempo, denn der Weg ist noch lang. Die ersten 31km vergingen wie im Flug und dank dem ruhigen Start merkte Tiba erst nach 15km, dass das kein Ausritt wird. Im Ziel angekommen galt es so schnell wie möglich zum Tierarzt zu gelangen, da wir Ups und Tiba nicht trennen konnten warteten wir jeweils bis beide mit dem Puls unter 64 Schläge/Minute waren. In der Pause benahm sich Tiba wie ein Routinier fressen, trinken und ausruhen war angesagt.

Die zweite Schlaufe über 32km verlief in gleichem Tempo, Ups, Milly und Tiba wechselten sich an des Spitze ab und Mahatma folgte uns mit seinem ruhigen Gemüt, den bringen nicht mal drei Stuten aus der Ruhe. Gegen Ende merkte ich, dass Partiba bereits im Trab beginnt die Beine nicht richtig zu sortieren, passiert immer, wenn wir zu viel traben, sie ist halt kein Traber. Meine Bedenken vom Vortag waren dadurch natürlich wieder geschürt aber ich wollte mich auf keinen Fall von der Gruppe trennen. Die nächste Schlaufe über 31 km ritten wir zwar langsamer aber mit mehr Galopp. Nun war Tiba richtig in Rennstimmung, kaum abgesattelt war der Puls unten, zum Glück waren Ups und Tiba so ähnlich mit den Pulswerten.

Nach 94km konnten wir nun die kürzeren Schlaufen in Angriff nehmen. Es war unglaublich wie Tiba von Runde zu Runde immer gleich motiviert lief. Das Spiel mit Reiten, Absatteln und Pause kennt ihr ja mittlerweile, deshalb gehe ich nicht näher drauf ein. Bis hierhin waren alle TA-Kontrollen immer ohne Beanstandung.

Dann kam die TA-Kontrolle nach 140km, an diesem Punkt war Tiba das letzte Mal Lahm, diesmal auch keine Beanstandung und ich freute mich wahnsinnig das wir auf die letzte Schlaufe dürfen.... aber halt noch nicht zu früh freuen, diesmal haben wir kurz vor dem Start auf die letzte Schlaufe noch einmal eine TA-Kontrolle. Partiba glänze auch da mit Top Werten, damit erhielten wir das OK mit gutem Gefühl auf die letzten 19km zu starten. Auch die anderen Pferde bekamen die Erlaubnis für die letzte Schlaufe. Es könnte einem nach 140km nun langsam der Gedanke kommen ein Pferd hätte auch mal genug, kaum aufgesessen spürte ich wie Tiba jeden Muskel bereitmachte, die Ohren stellte und sich bereit machte jeden Moment los zu galoppieren. Alle zusammen nahmen wir die letzten km in Angriff, die anderen drei Pferde waren ebenfalls noch fit aber langsam doch Müde, Tiba hingegen lief noch genau gleich wie die Runden zuvor, weshalb sie die gesamte Strecke die Führung übernahm. Für mich war klar, dass wir das Rennen als Team beenden obwohl meine Mitreiter meinten ich soll doch gehen, beschloss ich zwar viel zu galoppieren aber nicht auf Tempo zu reiten und auf die Anderen zu achten. Denn wir sind als vier Schweizer angereist, zusammen gestartet, geritten und wollten es auch zusammen zu Ende bringen. Als der letzte Kilometer markiert war kamen mir bereits die Tränen, wir waren ganz nahe vor unserem großen Ziel und Partiba befand sich immer noch in bester Verfassung.

Das Ziel einritt war unglaublich so viele Leute blieben bis 20Uhr auf dem Platz um uns auf den letzten Metern anzufeuern, das gelang euch. DANKE!!

Nach einigen Minuten laufen präsentierten wir die Pferde den Tierärzten und da musste ich mir doch von Uschi anhören, dass 50 Puls im Ziel doch etwas übertrieben sei. Nach dem Traben Puls 48, Gang A und auch ansonsten alles i.O. Sie war definitiv „Fit to continue“! 

Wir hatten es tatsächlich geschafft 4 Schweizer Pferde gestartet und 4 haben das Rennen gesund beendet. 

Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.87km/h Druchkommensrate=100% , UNGLAUBLICH!

Seit 10 Jahren reite ich Partiba und das ist unsere 6. internationale Saison und nun haben wir gemeinsam einen CEI*** bestanden. Sprachlos standen wir im Ziel überall kamen Umarmungen und Glückwünsche, die ich erst im Nachhinein wirklich realisierte. 

Ich bin so dankbar für die tollen Mitreiter Veronika Münger, Nina Good und Angela Kunz, die Stunden vergingen mit euch wie im Flug. Unser Groomteam Tabea Kobel, Lea Rohner, Jil Bachman leisteten ebenfalls spitzen Arbeit, sie haben sich frei genommen und 14 Stunden ausgeharrt und jedes noch so kleine Problem für mich aus der Welt geschafft. Tabea Kobel danke ich, dass sie mir, dieses einzigartige Pferd seit 10 Jahren einfach überlässt und unseren Weg unterstützt wo es nur möglich ist! 

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